Montagsblick · KW 43 · 19.10.2026
Im Praxis-Tipp direkt darunter lesen Sie, wie Sie eine Stellenanzeige schreiben, auf die sich Fachkräfte wirklich melden. Dazu die Meldungen der Woche: KI in der Vorauswahl von Bewerbungen, warum so viele Bewerbungen nicht zur Stelle passen, Interaktionsraten in sozialen Netzwerken und der Umgang mit Azubis.
Praxis-Tipp der Woche
Stellenanzeige schreiben Tipps: So melden sich Fachkräfte wirklich
Viele Stellenanzeigen im Handwerk und in der Industrie lesen sich gleich und sagen wenig über die eigentliche Arbeit. Fachkräfte suchen zuerst nach Aufgaben, Gehalt, Arbeitszeiten und Team. Nach dieser Anleitung können Sie eine Anzeige aufbauen, die genau diese Fragen beantwortet.
- Streichen Sie Floskeln wie „familiäres Team“, „flache Hierarchien“ oder „attraktive Vergütung“. Das schreibt fast jeder Betrieb, deshalb überliest es der Bewerber. Ersetzen Sie jede Floskel durch eine Tatsache, die man nachprüfen kann.
- Beginnen Sie mit den Aufgaben und beschreiben Sie eine typische Arbeitswoche. Bei einem Elektroniker etwa: Schaltschränke verdrahten, Anlagen beim Industriekunden in Betrieb nehmen, Störungen im Kundendienst beheben.
- Nennen Sie einen Gehaltsrahmen mit Unter- und Obergrenze, dazu Zuschläge und ob Sie nach Tarif zahlen. Ohne Angabe zum Geld bleibt die wichtigste Frage offen.
- Schreiben Sie die Arbeitszeiten konkret: Beginn und Ende, Bereitschaftsdienst, Montage mit Übernachtung ja oder nein. Ein Metallbauer will vorher wissen, ob er abends zu Hause ist.
- Stellen Sie das Team vor: wer der direkte Vorgesetzte ist, mit wem man täglich arbeitet, dazu ein echtes Foto aus Werkstatt oder Baustelle statt eines Archivbilds.
- Bauen Sie die Anzeige in fester Reihenfolge auf: Jobtitel, Aufgaben, Gehalt und Arbeitszeit, Team, Anforderungen getrennt nach Pflicht und Wunsch, Ansprechpartner mit Telefonnummer. Vorher: „Wir suchen einen motivierten Elektroniker (m/w/d) für unser familiäres Team.“ Nachher: „Elektroniker für Betriebstechnik (m/w/d): Sie warten Anlagen bei Industriekunden in der Region, arbeiten mit einem festen Kollegen, ohne Wochenenddienst, Gehalt nach Tarif mit Rahmen in der Anzeige.“
Häufiger Fehler
Der häufigste Fehler ist eine lange Wunschliste an Anforderungen, die kaum jemand vollständig erfüllt. Klären Sie mit dem Fachbereich, was wirklich Pflicht ist, und schreiben Sie den Rest als „gern auch“.
Der Xing Arbeitsmarktreport in den Meldungen dieser Woche nennt zu spezifische Anforderungen der Fachbereiche als einen Grund dafür, dass Stellen schwer zu besetzen sind.
Mehr dazu: Wie ich Betrieben helfe, Bewerber über Social Media zu gewinnen
Zahl der Woche
81 %
Laut dem Xing Arbeitsmarktreport 2026 sind bei 81 % der Unternehmen über alle ausgeschriebenen Stellen hinweg unter 50 % der eingehenden Bewerbungen qualifiziert.
Quelle: Recrutainment, 14.10.2026
Meldungen der Woche
Bewerber gewinnen
Mehr Bewerbungen, oft mit KI vorsortiert und ohne Kontrolle
Laut einer Umfrage im Auftrag der Jobplattform Indeed bekommen 56 % der befragten Unternehmen mehr Bewerbungen je Stelle als vor zwölf Monaten; Censuswide befragte dafür Ende September 300 HR-Entscheider deutscher Unternehmen. 28 % sagen, dass es keine offizielle Lösung gibt und Beschäftigte deshalb selbst Tools wie ChatGPT nutzen. Elf Prozent derjenigen, die Software oder KI zur Vorsortierung nutzen, lassen automatisch aussortierte Bewerbungen vor der Absage nicht mehr von einem Menschen prüfen.
So setzen Sie es um
- Legen Sie schriftlich fest, ob und welche KI-Werkzeuge bei der Sichtung von Bewerbungen erlaubt sind, und geben Sie das allen weiter, die Bewerbungen lesen.
- Sorgen Sie dafür, dass jede Absage vorher von einem Menschen gelesen wird, etwa von der Personalverantwortlichen oder dem Meister des Fachbereichs.
- Notieren Sie für jede offene Stelle die Kriterien der Vorauswahl, damit Sie später nachvollziehen können, warum jemand abgesagt wurde.
Quelle: Personalwirtschaft, 14.10.2026
Bewerber gewinnen
Viele Bewerbungen, aber wenige passen zur Stelle
Laut dem Xing Arbeitsmarktreport 2026 finden 62 % der Unternehmen es schwieriger als früher, passende Kandidaten zu finden. Bei 81 % der Unternehmen sind über alle Stellen hinweg unter 50 % der Bewerbungen qualifiziert. Als Gründe nennen die befragten Recruiter unter anderem zu wenige Bewerbungen, die wirklich zur Rolle passen (37 %), und zu spezifische Anforderungen der Fachbereiche (28 %).
So setzen Sie es um
- Gehen Sie die Anforderungen jeder offenen Stelle mit dem zuständigen Meister oder Abteilungsleiter durch und streichen Sie alles, was kein echtes Muss ist.
- Beschreiben Sie in der Anzeige die typischen Aufgaben einer Arbeitswoche, etwa Schaltschränke verdrahten oder Störungen beim Kunden beheben.
- Prüfen Sie bei den letzten Bewerbungen, die nicht gepasst haben, ob die Anzeige an dieser Stelle unklar war, und passen Sie den Text an.
Quelle: Recrutainment, 14.10.2026
Social Media
Hootsuite: Interaktionsraten nach Plattform und Branche
Nach Angaben des Softwareanbieters Hootsuite liegt die durchschnittliche Interaktionsrate auf Instagram bei 4,2 %, auf LinkedIn bei 3,9 % und auf Facebook bei 2,9 %. Gemessen wurde je Beitrag im Verhältnis zur Zahl der Follower. Die Branche Bau, Bergbau und Fertigung gehört laut Hootsuite zu den Branchen mit den höchsten Werten.
So setzen Sie es um
- Berechnen Sie für die Beiträge Ihres Betriebs im letzten Monat die Interaktionsrate: Interaktionen geteilt durch Follower mal 100.
- Vergleichen Sie Ihre Werte mit Betrieben ähnlicher Größe aus Ihrer Branche und Region, nicht mit großen Marken.
- Sehen Sie nach, welche Beiträge am besten abgeschnitten haben, etwa Bilder von der Baustelle oder Vorstellungen von Mitarbeitern, und planen Sie davon mehr ein.
Quelle: Hootsuite, 13.10.2026
Bewerber gewinnen
Azubis erleben häufiger Beleidigungen und Mobbing als Studierende
Laut einer Forsa-Umfrage für die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung haben 42 % der Azubis Beleidigungen und Beschimpfungen erlebt oder beobachtet, bei Studierenden sind es 23 %. Mobbing kennen 28 % der Azubis aus eigener Erfahrung oder Beobachtung. Zugleich fühlen sich 72 % der Azubis durch ihre Ausbildung gut oder sehr gut auf ein sicheres und gesundes Berufsleben vorbereitet.
So setzen Sie es um
- Benennen Sie für Ihre Azubis eine Vertrauensperson außerhalb der direkten Vorgesetzten, zum Beispiel einen erfahrenen Gesellen.
- Fragen Sie jeden Azubi in einem kurzen Einzelgespräch, wie der Umgangston in der Werkstatt und auf der Baustelle ist.
- Sprechen Sie im nächsten Meister- oder Teamtreffen klar aus, dass Beleidigungen gegenüber Azubis im Betrieb nicht geduldet werden.
Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung, 13.10.2026
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David Rieger